1.) Hallo Christian, erst mal herzlich Willkommen hier beim SCR Altach. Du hast vor wenigen Wochen dein Büro im neuen Campus bezogen. Konntest du auch außerhalb der Bürowände schon Eindrücke vom Ländle sammeln? Wie gefällt es dir hier?

Ich habe tatsächlich schon ein bisschen was vom Ländle gesehen, ich war schon auf Spielen der Akademie in Bregenz und auch in Lustenau. Die ersten Eindrücke von Österreich und insbesondere vom Ländle sind durchwegs positiv. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, mag die Mentalität der Menschen und die Landschaft. Ich war auch schon zum Wandern in den Bergen, was für mich eine sehr befreiende Wirkung hat, da man dort den Kopf sehr gut freibekommt. Auch das österreichische Essen mag ich sehr.

2.) Jetzt aber zum Sportlichen. In deiner Aufgabe als Sportdirektor geht es jetzt sicher zunächst mal darum, dich mit Verein, Trainern, Spielern und Umfeld vertraut zu machen. Wie weit bist du in diesem Prozess schon?

Glücklicherweise hatte ich bereits vor meinem offiziellen Antritt die Möglichkeit, mir einiges anzuschauen und mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Insofern würde ich sagen, dass ich bei der Profiabteilung, also Trainer, Mannschaft und Verein, voll im Thema bin. Auch die Akademie habe ich schon zweimal besucht. Das Einzige was sich zeitlich noch nicht ausgegangen ist, sind die Juniors. Aber auch da wird es in absehbarerer Zeit einen Austausch geben.

3.) Hinter uns liegen sportlich durchaus turbulente Wochen, das 4:0 in Innsbruck am Wochenende war doch ein kleiner Befreiungsschlag. Wo verortest du die Gründe für die Probleme, welche die Mannschaft in den Vorwochen hatte?

Zum einen muss man sagen, dass aufgrund von drei verletzten Stammspielern (Anm. Netzer, Meilinger, Diakité) das Gerüst sehr fragil war und immer noch ist. Darüber darf auch das 4:0 gegen die WSG Tirol nicht hinwegtäuschen. Nichtsdestotrotz haben wir dort einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht und vieles umgesetzt, was wir angesprochen haben. Hinten ist die Null gestanden und nach vorne haben wir nach dem Führungstor wieder befreit Fußball gespielt. Das lässt sicher darauf schließen, dass unsere Probleme auch im mentalen Bereich gelagert sind.

4.) In deiner Vita nach der aktiven Karriere stehen mit der TSG Hoffenheim, dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 drei namhafte deutsche Vereine. Der SCRA ist nun die erste Station im Ausland. Was waren für dich die ausschlaggebenden Argumente, diesen Schritt in die österreichische Bundesliga zu wagen?

Mir war es wichtig, einen Verein zu finden, bei dem ich mich selber weiterentwickeln kann, aber auch die Möglichkeit habe, meine eigenen Vorstellungen umzusetzen und nicht an gewisse Zwänge gebunden bin. In der deutschen Bundesliga ist das sicher schwieriger, weil dort viele Dinge schon gegeben sind. In dieser Hinsicht ist der Job in Altach für mich eine sehr reizvolle Herausforderung.

5.) Mit Sidney Sam hast du schon den Transfer eines Landsmannes mit eingefädelt. Können sich die Fans des SCRA auch zukünftig darauf einstellen, dass vermehrt deutsche Spieler den Weg hier ins Rheindorf finden?

Die Nationalität soll bei unseren Transfers kein Qualitätskriterium sein, dementsprechend möchte ich das weder ausschließen, noch als Basis sehen. Wenn es einen richtig guten deutschen Spieler gibt, den wir bekommen können und dem ich vertraue, kann das durchaus sein, dass sich in diese Richtung was tut. Trotzdem geht es vor allem darum, unter Beachtung des Österreichertopfs den qualitativ bestmöglichen Kader zusammenzustellen. Für uns zählt nur, die Qualität zu erhöhen und gleichzeitig eine gesunde Mischung zu finden, bei der auch die Hierarchien innerhalb des Teams passen.

6.) In Österreich wird ja mit Punkteteilung und anschließenden Play Offs gespielt. Was hältst du von diesem Ligaformat?

Ich finde den Ansatz mit einer Zwölferliga und anschließender Punkteteilung für ein kleineres Land wie Österreich sehr spannend. Auch in anderen Ländern wie Serbien oder Dänemark sind ähnliche Formate sehr erfolgreich. Die Punkteteilung schiebt noch einmal alles sehr eng zusammen, was je nach der sportlichen Performance im Grunddurchgang ein Nachteil, oftmals aber auch ein Vorteil für die jeweiligen Vereine sein kann.

7.) Aktuell gibt es in der Tabelle schon eine kleine Tendenz, wie die beiden Play Offs aussehen könnten. Wohin kann die Reise für den SCRA in dieser Saison noch gehen?

Wir wollen bis zur Winterpause so viele Punkte wie möglich holen, werden dann schauen, was zu verändern ist und vielleicht geht es sich noch einmal aus, oben ran zu schnuppern – oberste Priorität in dieser Saison hat aber mit Sicherheit der Klassenerhalt.   

Steckbrief:
Name: Christian Möckel
Geburtsdatum: 06.04.1973
Nationalität: Deutschland
Position: Sportdirektor