Erst mit 18 Jahren hat Nosa Edokpolor den Entschluss gefasst, es im Profifußball schaffen zu wollen. Eine Nachwuchsakademie hat er nie von innen gesehen, trotzdem ist er jetzt mit 24 Jahren angekommen in der Bundesliga. Im Interview spricht er über seine Glaubensätze und seinen Schlüssel zum Erfolg.

1.) Nosa, zu Saisonbeginn bist du zunächst einige Male auf der Bank gesessen. Du hast dich aber reingekämpft und die letzten beiden Spiele über 90 Minuten absolviert. Würdest du sagen, du bist mittlerweile angekommen in der Bundesliga?

Ich glaube schon, dass man das so sagen kann. Es war klar, dass die Umstellung von der 2. Liga in die Bundesliga ihre Zeit braucht und ich geduldig sein muss. Wenn du zu einer neuen Mannschaft kommst, gilt es neue Automatismen zu verinnerlichen, zu verstehen was der Trainer von einem möchte und sich an das neue Umfeld zu gewöhnen – auch das braucht seine Zeit. Das Gefühl wird aber von Tag zu Tag besser, deshalb glaube ich schon, mittlerweile in der Bundesliga angekommen zu sein.

2.) Gegen Austria Wien hast du deine vielleicht beste Saison-Leistung gezeigt und das auf der ungewohnten Position als halblinker Innenverteidiger in der Dreier-Kette. Hast du diese Position vorher schon einmal gespielt und kannst du dich damit anfreunden?

Danke, freut mich, wenn meine Leistung positiv wahrgenommen wurde. Ich habe auch bei Blau-Weiß Linz schon vereinzelt Spiele auf der linken Halbposition in der Dreierkette absolviert, deshalb war das nichts komplett Neues. Es ist zwar etwas ungewohnt, weil du auf dieser Position deutlich weniger ins Offensivspiel eingebunden bist, trotzdem macht mir auch die Dreierkette richtig viel Spaß. Am Ende zählt für mich, dass ich auf dem Platz stehen und der Mannschaft helfen kann.

3.) Du hast jetzt nicht unbedingt den „klassischen Weg“ in die Bundesliga genommen. Eine Fußballakademie hast du nie von innen gesehen, bist dann aber mit 18 nach Italien zu SSD Palermo gewechselt und ein Jahr später wieder zurückgekehrt. Wann war für dich klar, dass es mit dem Profifußball klappen könnte?

Das stimmt, mein Weg in den Profifußball unterscheidet sich wahrscheinlich von vielen anderen Spielern in der Bundesliga (lacht). Als das Angebot aus Italien gekommen ist, ist mir das erste Mal richtig klar geworden, dass ich es schaffen könnte. Ich habe dann für mich die Entscheidung getroffen, diesen Schritt zu gehen und von diesem Moment an alles dafür zu investieren, den Sprung in den Profifußball zu schaffen.

4.) 2015/16 bist du mit der zweiten Mannschaft des WAC aus der Regionalliga abgestiegen, hast dann aber trotzdem die Chance in der 2. Liga beim SV Horn erhalten. Auch dort folgte gleich in der ersten Saison der Abstieg und dann eine weitere Saison in der Regionalliga. Über BW Linz ging es 2018 zurück in den Profifußball und schließlich im Sommer zum SCRA in die Bundesliga. Wie wichtig waren die einzelnen Erfahrungen für dich?

Sowohl die guten als auch die schlechteren Erfahrungen und schwierigen Zeiten haben mich geprägt und zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Ich glaube, dass jede einzelne Station für mich wichtig war und mir geholfen hat, mich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln.

5.) Wo war der Schritt größer – beim Wechsel in die 2. Liga oder jetzt in die Bundesliga?

Der Schritt in die Bundesliga war definitiv größer als jener von der Regional- in die 2. Liga. Während in der 2. Liga vor allem das Physische im Vordergrund steht, wird in der Bundesliga die Messlatte in Sachen Taktik deutlich höher gelegt.  

6.) Was sind für dich die entscheidenden Komponenten, um als Fußballer erfolgreich zu sein?

Grundvoraussetzung ist es sicherlich körperlich top fit zu sein. Dazu kommt eine sportlich gesunde Lebensweise und Menschen an deiner Seite, die dich motivieren und in jeder Situation unterstützen. Die vielleicht wichtigste Komponente ist der Glaube an sich selbst.

7.) Du bist jetzt seit knapp dreieinhalb Monaten hier in Altach. Bei deinem Transfer im Sommer hast du dir sicher einige Gedanken gemacht. Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Absolut, ich wollte zu einem Bundesliga-Verein, wo höchstprofessionell gearbeitet wird und hohe sportliche Ziele verfolgt werden. Das habe ich hier beim SCR Altach bekommen. Das soll aber nicht heißen, dass ich mit unseren sportlichen Leistungen zufrieden bin. Wir hatten keinen guten Start. Trotzdem sind wir auf einem guten Weg und werden wieder in die Erfolgsspur zurückfinden.  

8.) Was muss passieren, dass du im Mai sagen kannst, deine erste Bundesliga-Saison war eine erfolgreiche?

Um das zu schaffen, müssen wir als Mannschaft den eingeschlagenen Weg voller Überzeugung weitergehen. Ich bin mir sicher, dann werden über kurz oder lang auch die Ergebnisse stimmen.

9.) Abseits des Sportlichen punktet Vorarlberg vor allem mit seiner Natur. Bist du eher der Stadtmensch oder kannst du mit dem Ländlichen hier etwas anfangen?

Ehrlich? Eigentlich bin ich schon eher der Stadtmensch (lacht). Allerdings habe ich auch gemerkt, wie gut mir die Natur tut. Deshalb ist Vorarlberg schon ein Traum – die Landschaft hier ist unglaublich schön.

10.) Was hast du schon gesehen?

Mit meiner Freundin habe ich zum Glück einen guten Tour-Guide. Sie hat in den letzten Wochen immer wieder schöne Plätze herausgesucht, die wir dann gemeinsam besucht haben. Wir waren zum Beispiel schon in der Örflaschschlucht, der Rappenlochschlucht und am Bodensee.

11.) Du bist mit 24 in der Bundesliga angekommen. Wenn du für deine weitere sportliche Karriere einen Wunsch frei hättest. Welcher wäre es?

Das Wichtigste für mich ist, Spaß am Fußball zu haben, mich stetig weiterzuentwickeln und mit der Mannschaft Erfolg zu haben.

Steckbrief:
Name: Nosa Iyobosa Edokpolor
Geburtsdatum: 22.09.1996
Nationalität: Österreich
Position: Linker Verteidiger
Beim SCRA seit: 01.08.2020