Längst dienender Trainer im aktuellen Trainerteam und seit mittlerweile fast elf Jahren beim SCR Altach. Sebastian Brandner geht in seiner Rolle als Torwarttrainer noch immer voll auf. Im Interview sprechen wir über gute Torhüter, Mentalität und das Elfmeter-Geheimnis von Martin Kobras.

1.)   „Der ‚Man of the Match‘ stand heute fix auf Seiten der Gastgeber, Altach-Goalie Martin Kobras, der seiner Mannschaft den Punkt mit teilweise überragenden Paraden retten konnte“ – so stand es am Samstag im Homepage-Bericht des SK Rapid. Wie stolz macht es dich, so eine Schlagzeile über den eigenen Schützling zu lesen?

Wenn die breite Öffentlichkeit das so bestätigt, macht mich das natürlich schon ein wenig stolz. Gerade im Spiel gegen Rapid konnte Martin unterstreichen, wie wichtig ein guter Torwart für ein Team ist. Mit Paraden wird so etwas für den Zuschauer im Stadion oder am Bildschirm offensichtlich. Oftmals liegt die Leistung eines Torwarts aber auch im „Verborgenen“. Da geht es dann um Dinge, wie Coaching, ordnen, führen, die Mannschaft beruhigen, aber auch zu pushen – solche Aspekte sind für mich fast noch wichtiger und zeichnen einen guten Torwart aus.

2.)   Man kann wohl ohne Zweifel sagen, dass Martin Kobras in dieser für uns alle so schwierigen Saison, der konstanteste Altacher ist. Ist der Kopf eine der ganz großen Stärken von Kobi?

Kobi hat sicherlich mental in den letzten Jahren tolle Schritte gemacht. Er ist ein echter Wettkampftyp, der auf den Punkt seine Leistung abliefern kann. In einer nicht ganz so leichten Phase ist das umso wichtiger.

3.)   Du selbst hast jetzt seit bald fünf Jahren das Kommando über die Altacher Schlussleute. Wie viel Spaß macht dir dieser Job, den du ja neben deinem gelernten Beruf als Architekt ausübst?

Für mich ist die Kombination ideal. Ich kann mir Eigenständigkeit und Unabhängigkeit durch die zwei Berufsfelder bewahren. Das sind für mich Eckpfeiler einer guten Zusammenarbeit. Die letzten fünf Jahre hat sich diese Arbeitsweise entwickelt und auch ausgezahlt. Ich spüre noch täglich den Spaß und die Frische, um die Jungs weiter zu entwickeln.

4.)   Wie bereits angesprochen. Trotz eines teilweise überragenden Martin Kobras steht diese Saison leider wieder ganz im Zeichen des Abstiegskampfs. Wie sehr geht diese schwierige sportliche Situation auch im Trainerteam an die Substanz?

Wenn ich ganz ehrlich bin: Sehr! Oft ist es schwierig zu verstehen, wieso es im Sport Phasen gibt, in welchen man nicht an die Leistungsgrenze herankommt. Auch ich habe solche Momente. Der Profifußball hat sich inzwischen zu einer professionellen, durchdachten, aber auch sehr fragilen Branche entwickelt, in der Kleinigkeiten entscheiden. Fast alle Vereine in Österreich arbeiten sehr gewissenhaft und professionell – umso enger geht es zu.  

5.)   Über das Torwartteam in dieser Saison kann man wahrscheinlich sagen: ‚Die Mischung machts‘. Neben Martin Kobras (34) lauern mit Tino Casali (25) und Jakob Odehnal (19) zwei ambitionierte Schlussleute. Charakterisiere doch bitte kurz die Stärken unsere Jungs zwischen den Pfosten?

Prinzipiell bin ich mit dem Torwartteam in diesem Jahr sehr zufrieden. Wir hatten letzten Sommer einen größeren Umbruch. Am Spannendsten für mich ist die Vielfalt in unserem Team. Jeder Torwart hat seinen eigenen Charakter, deshalb benötigt es auch unterschiedliche Maßnahmen für die Entwicklung auf und neben dem Platz. Kobi ist sicherlich der „Gestandene“. Oft reichen uns Blicke, um miteinander zu sprechen. Tino ist der Vollprofi, am liebsten würde er jederzeit trainieren. Ihn muss man ab und zu fast ein wenig bremsen. Jakob ist der junge Wilde. Sein Weg hat erst begonnen.

6.)   Martin Kobras ist mit seinen 1,82 m zwar der kleinste Stamm-Torhüter der Bundesliga. Mit Jörg Siebenhandl (Sturm Graz, 1,83 m), Ferdinand Oswald (WSG Tirol, 1,83 m), Patrick Pentz (Austria Wien, 1,83 m), Andreas Leitner (Admira, 1,84m) oder sogar A-Teamtorhüter Alexander Schlager (LASK, 1,84m) spielen allerdings viele Schlussleute in derselben „Größen-Klasse“. Wie groß ist aus deiner Sicht die Bedeutung der Körpergröße für einen Torhüter?

Der Sport zeigt in vielen Disziplinen, dass es kein Ideal gibt. Wie könnte es sonst möglich sein, dass ein nicht perfekter Athlet Rennen oder Bewerbe gewinnt? Ähnlich sehe ich es im Torwartspiel. Der Umfang der Fertigkeiten ist so groß, dass einzelne Bereiche, wie zum Beispiel die Körpergröße, nicht so stark ins Gewicht fallen.

7.)   Zu Kobras‘ Stärken haben sich in den vergangenen Jahren auch Elfmeter entwickelt. Wie trainiert ihr diese Situation und welche Infos holt sich Kobi zu den Elfmeterschützen der Gegner ein?

Martin hat das Elfmeterspiel für sich entdeckt. Wir kennen jeden Schützen der Liga und besprechen vor den Spielen, was er machen kann, wo er Chancen hat.

8.)   Zum Abschluss deine Einschätzung: Wohin entwickelt sich das Torwart-Spiel in den kommenden Jahren? Was muss ein guter Torhüter können?

Meiner Meinung nach und entgegen so mancher Expertenmeinung, wird sich das Torwartspiel nicht mehr viel extremer ins Mitspielen entwickeln. Die mentale Konstanz über einen langen Zeitraum ist für mich da viel wichtiger. Es gibt genug Bereiche, die noch verfeinert werden können. Deshalb glaube ich aber auch an keine revolutionären Entwicklungen.

Steckbrief:
Name: Sebastian Brandner
Geburtsdatum: 08.02.1983
Nationalität: Österreich
Position: Torwart-Trainer
Beim SCRA seit: 02.09.2010

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