Knapp eineinhalb Monate vor seinem 19. Geburtstag feierte Kofi Babil am Samstag sein Bundesliga-Debüt im SCRA-Trikot. Wir haben uns mit dem Sommer-Neuzugang ausführlich über seine Geschichte unterhalten.

Es war der 16. September 2020, als Nana Kofi Babil am späten Nachmittag am Flughafen Zürich landete. Fast zwei Monate nachdem er offiziell als Neuzugang vorgestellt wurde, konnte das Kapitel SCR Altach endlich beginnen. Das Corona-Virus hatte dem 18-jährigen Offensivspieler zuvor einen Strich durch die Rechnung gemacht und die gesamte Vorbereitung gekostet – eine Ausreise aus Ghana war im vergangenen Sommer schlicht nicht möglich.

Seit diesem Mittwochnachmittag sind nun wieder knapp zwei Monate ins Land gezogen. Am vergangenen Samstag ging für Kofi mit seinem Bundesligadebüt ein Traum in Erfüllung. Doch was bewegt einen jungen Ghanaer, der mit 18 sein Zuhause verlässt, um sich in Europa als Fußballer einen Namen zu machen? Welche Probleme begleiten einen jungen Mann, der in eine völlig neue Welt eintaucht? Wir haben Kofi zum ausführlichen Gespräch gebeten, in dem er seine Geschichte erzählt.

1.) Nana Kofi Babil feiert sein Bundesligadebüt – wie hört sich das für dich an?

Seit ich als kleiner Junge in meinem Heimatort mit dem Fußballspielen begonnen habe, habe ich davon geträumt, irgendwann in Europa Profi zu werden. Es war die Erfüllung eines Kindheitstraums und gleichzeitig eine unglaublich aufregende Erfahrung – ein Spiel, das ich nie vergessen werde. Es ist allerdings nur ein erster Schritt auf meinem Weg, den ich gehen möchte. Schöner wäre noch gewesen, wenn wir das Spiel gewonnen hätten.  

2.) Im Sommer war viel Geduld gefragt, als es lange Zeit keine Möglichkeit gab, aus Ghana auszureisen. Jetzt bist du seit knapp zwei Monaten hier und hast die ersten Akklimatisierungs-Hürden überwunden. Erzähle doch mal: Was war alles neu für dich hier in Österreich?

Eigentlich fast alles (lacht). Und das ist auch heute noch so. Ob es das Wetter ist, die Landschaft,  die Art wie hier trainiert wird oder ganz alltägliche Dinge. Vieles kannte ich nicht und muss ich erst lernen. Aber ich komme immer besser zurecht und habe glücklicherweise Teamkollegen, die mich in allen Bereichen unterstützen.

3.) Du sagst fast alles ist hier anders – wie dürfen wir uns deine Kindheit in Ghana vorstellen?

Sehr behütet – ich bin als jüngstes von insgesamt fünf Geschwistern in Tarkwa aufgewachsen. Ich glaube schon als Vier- oder Fünfjähriger habe ich mit dem Fußballspielen begonnen. Auch meine Geschwister haben gespielt, aus verschiedenen Gründen aber mittlerweile alle aufgehört. In den vergangenen Jahren haben sie sich vor allem darum gekümmert, meine Karriere voranzutreiben. Dafür bin ich meiner Familie sehr dankbar.  

4.) Stichwort Karriere: Vor deinem Wechsel nach Altach hast du für Medeama SC zwölf Erstligaspiele in der ghanaischen Premier League absolviert. Welche Karrierestationen hast du bis dahin durchlaufen?

Mit dem Fußballspielen begonnen habe ich bei einem kleinen Verein in meiner Heimat. Dort habe ich viele Tore geschossen und wurde so schließlich von Trax Junior FC – einem Verein in Accra –  verpflichtet. In Accra habe ich dann auch meine ersten Erfahrungen im Erwachsenenbereich gesammelt und wurde in der zweiten Liga bei Charity Stars FC eingesetzt. Ende des vergangenen Jahres kam dann das Angebot aus Medeama, dem Profi-Club meiner Heimatstadt Tarkwa. Dort habe ich in insgesamt zwölf Erstliga-Spielen vier Tore geschossen und bin so von Altach entdeckt worden.   

5.) Wie unterscheidet sich der Fußball in Ghana von dem hier in Österreich?

Das ist eigentlich kaum zu vergleichen, völlig anders. Vor allem die Intensität und die physischen Voraussetzungen sind hier deutlich andere. Auch daran musste ich mich erst gewöhnen. Beziehungsweise bin ich immer noch dabei, mich an diese Spielweise anzupassen.

6.) Mit 18 Jahren alleine von zuhause weg, das ist ein großer Schritt. Wie oft hältst du Kontakt zur Familie zuhause?

Eigentlich jeden Tag. Abseits meiner Teamkollegen hatte ich leider noch nicht viel Zeit, mir hier Freunde zu suchen. Umso wichtiger ist für mich der Kontakt zur Familie.

7.) Du hast vorher davon gesprochen, dass das Bundesligadebüt der 1. Schritt auf deinem Weg war. Mit welchen Zielen bist du hier nach Altach gekommen?

Zunächst einmal möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, dass mir der Verein entgegenbringt. Es ist mein Ziel, möglichst schnell die Anpassung an die europäische Art des Fußballs zu schaffen. Auf längere Sicht wäre es toll, mit Altach in einem internationalen Wettbewerb vertreten zu sein.  

8.) Die Fans kennen dich jetzt aus den beiden Kurzeinsätzen im Testspiel gegen Wacker Innsbruck und am Wochenende gegen den WAC. Auffallend sind deine Wendigkeit und die Schnelligkeit. Wo siehst du selbst deine Stärken?

Ich versuche sowohl mit als auch ohne Ball immer wieder Laufwege hinter die gegnerische Abwehr zu machen und so Platz für meine Mitspieler zu schaffen. Gleichzeitig bin ich ein Spieler, der Chancen kreiert und habe meine Stärken im Tor-Abschluss.

9.) Zur Eingewöhnung gehört auch die Sprache. Bist du schon am Deutsch lernen?

 Ja natürlich, ich verstehe schon ein bisschen was. Selbst sprechen ist aber echt schwierig (lacht).

10.) Aufgrund des Corona-Virus sind bislang keine Zuschauer erlaubt. Wie sehr freust du dich schon darauf, vor den Fans im Stadion zu spielen?

Sehr! Wir haben ein echt schönes Stadion und ich kann es kaum erwarten, wenn endlich auch Fans zu unseren Spielen kommen dürfen.  

Steckbrief:
Name: Nana Kofi Babil
Geburtsdatum: 04.01.2002
Nationalität: Ghana
Position: Angriff
Beim SCRA seit: 17.09.2020