Seit Damir Canadi auf dem Altacher Trainersessel sitzt, hat einer noch keine Einsatzminute verpasst – Berkay Dabanli ist der einzige Feldspieler, der seit Runde 19 immer auf dem Platz stand. Im Interview spricht der Innenverteidiger über das anstehende Saisonfinale.

1.) Die letzte volle Trainingswoche, bevor die Saison mit vier Spielen innert 13 Tagen entschieden wird, ist angebrochen. Mit welchem Gefühl gehst du ins Saisonfinale?

Wir sind uns unserer Situation absolut bewusst. Natürlich steigt die Anspannung, aber das braucht es auch, um in den entscheidenden Spielen auf den Punkt da sein zu können. Es geht um viel, trotzdem freue ich mich auf die Spiele und bin bereit, an meine Grenzen zu gehen.

2.) Du hast seit dem Trainerwechsel Ende Februar keine Bundesligaminute verpasst, obwohl du vorher aus einer längeren Verletzung gekommen bist. Wie viel Saft ist für die letzten vier Spiele noch im Tank?

Wir verfügen hier in Altach über eine super Physio-Abteilung, die uns binnen kurzer Zeit immer wieder fit bekommt. Der Tank ist noch gut gefüllt – da wird es in den letzten vier Spielen mit Sicherheit keine Probleme geben.

3.) Dass du noch keine Minute verpasst hast, spricht ja auch für das große Vertrauen, welches Damir Canadi in dich setzt. Wie würdest du ihn als Trainer charakterisieren?

Ich denke, dass ich, das am Anfang in mich gesetzte Vertrauen, auch mit Leistung zurückgezahlt habe – ansonsten hätte ich definitiv Spielminuten verpasst (lacht). Damir Canadi ist ein Trainer, der weiß, was er will und eine klare Linie fährt. Er ist auch jemand, der durch Einzelgespräche oder Ansprachen vor der Mannschaft, die richtigen Reize setzen kann und den Spielern die Möglichkeit gibt, sich im Training aufzudrängen. 

4.) Gerade in Sachen Gegentoren hat man sich im Vergleich zum Herbst deutlich stabilisiert. Worauf ist dies zurückzuführen? Nur auf die Veränderung der Spielanlage?

Es ist nicht alleine an der Spielanlage festzumachen, ob du Gegentore erhältst oder nicht. Durch einen Trainerwechsel werden oftmals noch ein paar Prozent freigesetzt – das war bei uns sicher der Fall.

5.) Mit Neven Subotic hast du im Winter einen Champions League-Finalisten und zweifachen deutschen Meister als Partner in der Innenverteidigung zur Seite gestellt bekommen. Wie viel Spaß macht es neben so jemandem zu verteidigen?

Neven bringt unheimlich viel Erfahrung mit und gibt der Mannschaft mit seiner Präsenz Sicherheit. Wenn du neben ihm spielst, weißt du, dass du dich zu hundert Prozent auf ihn verlassen kannst. Leider hat er uns in den letzten Spielen gefehlt. Wir hoffen natürlich, dass er am Wochenende wieder mit dabei sein kann.

6.) Bei Neven ist das wahrscheinlich nicht unbedingt nötig: Du bist aber bekannt als jemand, der sich neben dem Platz um die Integration von Neuzugängen kümmert. Woher kommt diese „soziale Ader“?

Ich weiß einfach, wie es ist, wenn man irgendwo hinkommt und niemanden kennt. Ob ich eine soziale Ader habe, weiß ich nicht – das sollen andere beurteilen. Aber es gibt sicher Spieler, die brauchen mehr Hilfe bei der Eingewöhnung und andere weniger. Wenn ich merke, dass jemand mit bestimmten Dingen Probleme hat, versuche ich zu helfen. Ich bin überzeugt davon, dass gute Taten im Leben immer zurückkommen.  

7.) Du bist seit eineinhalb Jahren hier im Ländle und gehörst zu den Führungspersönlichkeiten des Teams. Welche Möglichkeit hat man, vor der jetzt anstehenden entscheidenden Phase, gerade auch auf die jüngeren Spieler einzuwirken?

Wichtig ist, dass man selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Ob das auf dem Trainingsplatz, im Gym oder beispielsweise bei der Ernährung ist, spielt dabei keine Rolle. Schlussendlich liegt die Wahrheit aber immer auf dem Platz und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das versuche ich meinen Mitspielern zu vermitteln.

8.) Unseren kommenden Gegner kennst du bestens – in deiner gesamten Profikarriere hast du gegen keine Mannschaft öfter gespielt als gegen Austria Wien (6 Mal). Was macht die Austria als Mannschaft aus und wie ist sie zu schlagen?   

Puh, Wahnsinn – das war mir gar nicht bewusst (lacht). Sie haben ihre Stärken sicher in der Offensive, sind dafür aber oftmals anfällig in der Defensive. Ihre Spielanlage ist sehr stark auf Umschaltsituationen ausgelegt. Möglicherweise ist es ein gutes Mittel, ihnen das Spiel zu überlassen und selbst diese Umschaltmomente zu suchen.

Steckbrief:
Name: Berkay Dabanli
Geburtsdatum: 27.06.1990
Nationalität: Deutschland/Türkei
Position: Innenverteidiger
Beim SCRA seit: 07.01.2020