Die lange Leidenszeit ist beendet, die Motivation größer denn je. Philipp Netzer hat am Samstag nach über 336 Tagen sein Comeback in der österreichischen Bundesliga gefeiert. Ein Spiel, das wie er selbst sagt, „Lust auf mehr“ macht.

1.) Fast auf den Tag genau 11 Monate nach dem du beim Aufwärmen gegen Rapid verletzt w.o. geben musstest, hast du am Samstag das Comeback gefeiert. Wie haben sich die 55 Minuten Bundesliga-Fußball angefühlt?

Es hat einfach wieder extrem viel Spaß gemacht, mit der Mannschaft in der Bundesliga auf dem Platz stehen zu können. Ich konnte jede einzelne Minute genießen und muss ehrlich sagen, dass das auch wieder Lust auf mehr gemacht hat.

2.) Zwischen Verletzung und Comeback lagen viele Monate der Ungewissheit, die Operation und zuletzt der harte Weg zurück. Welches waren für dich die schwierigsten Momente?

In den ersten beiden Monaten nach der OP habe ich richtig gute Fortschritte gemacht. Danach wurde es aber richtig zäh und ich war mir irgendwann auch nicht mehr sicher, ob ich überhaupt noch einmal zu 100 Prozent fit werden würde. Man vermisst in diesen Wochen dann einfach auch den Kontakt zu den Mannschaftskollegen und das gemeinsame Training auf dem Platz. Vor knapp einem Monat war ich dann auf dem Sprung in den Kader, jedoch hat mir eine Muskelverletzung einen Strich durch die Rechnung gemacht. In diesem Moment war es richtig schwer, wieder die Motivation für die Reha zu finden.

3.) Du bist seit knapp 17 Jahren im Profifußball. Gab es zwischendurch Gedanken ans Aufhören?

Nach dieser Muskelverletzung habe ich ehrlich gedacht, das wars jetzt. Der Gedanke ans Aufhören war schon ziemlich präsent. Gespräche mit Trainer und Sportdirektor haben mich aber noch einmal neu motiviert, mit der Reha zu beginnen. Im Rückblick bin ich dafür sehr dankbar.

4.) Gegen St. Pölten hat es für nicht ganz eine Stunde gereicht. Wie zufrieden bist du mit deinem Comeback?

Ich wusste, dass körperlich noch nicht viel mehr als eine Stunde drin sein wird. In dieser Zeit habe ich versucht, dem Team so gut wie möglich zu helfen. Ich hoffe natürlich, dass meine Mannschaftskollegen zufrieden sind, denn das zählt für mich.

5.) Im Idealfall stehen jetzt drei Entscheidungsspiele auf dem Programm. Wie groß ist die Vorfreude?

Die Vorfreude ist riesengroß, es kribbelt schon richtig. Wir arbeiten seit Monaten auf diese Spiele hin, haben viel dafür geopfert und wollen jetzt die letzten Schritte machen, um in der kommenden Saison international zu spielen.

6.) Vor drei bzw. fünf Jahren durftest du die Erfahrung von Europacup-Qualifikationsspielen schon einmal machen. Sind diese Play Off-Spiele damit vergleichbar?

Internationale Spiele entwickeln eine andere Atmosphäre und sind doch schon etwas spezieller. Umso größer ist die Motivation der Mannschaft, diese nächsten drei Spiele erfolgreich zu gestalten, um die besonderen Erlebnisse einer Europa League in der kommenden Saison mitnehmen zu können.

7.) Was ist in solchen Spielen entscheidend, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen?

Wir müssen jetzt einfach abliefern. Es sind alles Endspiele, in denen nur der Sieg zählt. Der Druck ist bei beiden Teams enorm hoch. Wer besser damit umgehen kann, wird am Ende als Sieger vom Platz gehen.

Steckbrief:
Name: Philipp Netzer
Geburtsdatum: 02.10.1985
Nationalität: Österreich
Position: Innenverteidiger
Beim SCRA seit: 24.08.2009