"Ein Wellental der Gefühle" - so beschreibt Daniel Nussbaumer sein Jahr 2020. Auf der einen Seite der persönliche sportliche Durchbruch, auf der anderen Seite der unzufriedenstellende Herbst. Im Interview ordnet der Offensivmann, der kürzlich seinen 21. Geburtstag feierte, sein erstes volles Jahr in der Bundesliga ein und wagt mit uns den Blick in die Zukunft. 

1.) Daniel, 2020 war auf der einen Seite das Jahr, in dem dir der Durchbruch in der Bundesliga gelungen ist. Auf der anderen Seite geprägt durch einen sportlich schwierigen Herbst. Welches Fazit ziehst du nach diesem verrückten Jahr?

Ich glaube, verrückt trifft es ganz gut. Insgesamt würde ich 2020 für mich persönlich schon als positiv beschreiben, weil ich mich über einen längeren Zeitraum in der Bundesliga fest spielen und meine ersten Tore erzielen konnte. Zur Wahrheit gehört aber auch der mannschaftlich schwache Herbst, der das Ganzjahres-Fazit natürlich trübt.

2.) Abseits des Platzes war Corona das dominierende Thema dieses Jahres. Wenn wir uns zurückerinnern: Die wahrscheinlich stärkste Phase des vergangenen Jahres hast du im Play Off nach dem 1. Lockdown gespielt. Hat es einen speziellen Grund, warum es besonders in dieser Phase so gut gelaufen ist?

Ich habe einfach versucht, das Beste aus der Situation zu machen und die Phase während des Lockdowns ideal für mich zu nutzen. In dieser Zeit habe ich extrem viel trainiert und hart an mir gearbeitet. Das Ergebnis war eine deutlich bessere körperliche Verfassung, von der ich im Anschluss profitiert habe. Ich sehe die gute Play Off-Phase als Belohnung für die harte Arbeit davor.

3.) Der Herbst war dann ein Auf und ab. Gleich am ersten Spieltag hast du getroffen, dazu beim ersten Heimsieg gegen die Admira. Mit zwei Ausnahmen standest du immer in der Startelf und schließlich ging es sogar zum U21-Nationalteam. Im November und Dezember gelang dann aber kein Scorer-Punkt mehr. Passt die Beschreibung „Wellental der Gefühle“ zum vergangenen Herbst?

Mit dem Treffer im ersten Spiel gegen Hartberg konnte ich dort anknüpfen, wo ich zuvor im Play Off aufgehört habe. Rückblickend muss ich aber schon sagen, dass dann insgesamt im Herbst viel mehr möglich gewesen wäre. Ich glaube, die Beschreibung Wellental passt ganz gut. Vor allem die vielen ungenützten Chancen wurmen mich, daran möchte ich arbeiten. Die Einberufung zum Nationalteam war sicher ein Highlight im Herbst. Mit den beiden Länderspiel-Einsätzen ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.

4.) Auch mannschaftlich war die bisherige Saison über weite Strecken durchwachsen. Worin liegen für dich die Gründe, dass es nicht gelang an das vielversprechende Frühjahr anzuknüpfen?

Es ist in den letzten Wochen oft genug betont worden, dass es dafür nicht den einen Hauptgrund gibt, sondern eben viele kleine Dinge über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Mit jedem Spiel, bei dem du nicht anschreibst, wird es schwieriger und wächst der Druck. Wenn wir den Grund wüssten, würden wir es sofort ändern.

5.) Aufgrund des coronabedingt späten Saisonstarts ist allerdings erst ein knappes Saison-Drittel absolviert. Das heißt, es bleibt viel Zeit, um den verkorksten Herbst zu reparieren. Welche Tugenden sind gefragt, um im Frühjahr ein deutlich verbessertes Gesicht zu zeigen?

Wir haben bereits hinlänglich bewiesen, dass wir guten Fußball spielen und dabei erfolgreich sein können. Ich bin überzeugt davon, dass nicht viel fehlt, um wieder ein deutlich anderes Gesicht zu zeigen. Wir müssen jeden Tag im Training bestmöglich nutzen, um uns das Selbstvertrauen und die Spielfreude zurückzuholen. Dabei gilt es die richtige Mischung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß zu finden. Nur so können wir uns aus dieser Krise befreien.

6.) Du bist jetzt 21 Jahre alt, hast 2020 sieben Mal getroffen und vier Treffer vorbereitet. Wie sollen die nächsten Schritte in deiner persönlichen Entwicklung aussehen?

Mein Ziel ist es, noch torgefährlicher zu werden. Noch öfter in die Situationen kommen, aus denen ein Tor entstehen kann. Ob das dann am Ende in eigenen Treffern oder Assists ablesbar ist, spielt eigentlich nicht die große Rolle. Wie gesagt, war 2020 für mich persönlich kein schlechtes Jahr. Es gibt aber keinen Grund, sich darauf auszuruhen. Ich möchte täglich besser werden.

7.) Wir alle hoffen auf viele Nussbaumer-Treffer im neuen Jahr und den mittlerweile schon berühmt gewordenen „Meditations-Jubel“. Was hat es mit diesem Jubel eigentlich genau auf sich?

Das wünsche ich mir natürlich auch, wobei wie gesagt am Ende egal ist, wer die Treffer erzielt. Wenn meine Treffer zum Erfolg beitragen, ist es natürlich umso schöner. Der Jubel ist daraus entstanden, dass ich die Meditation für mich entdeckt habe und ich überzeugt bin, dass ich dadurch noch ein paar Prozent mehr herausholen kann. Zum anderen muss ich zugeben, dass ich mir den Jubel von Erling Haaland abgeschaut habe (lacht).

8.) Wenn du für 2021 einen Wunsch frei hättest, welcher wäre es?

Persönlich wünsche ich mir Gesundheit. Sportlich möchte ich mit dem SCR Altach so früh wie möglich den Klassenerhalt fixieren!

Steckbrief:
Name: Daniel Nussbaumer
Geburtsdatum: 29.11.1999
Nationalität: Österreich
Position: Mittelstürmer/Linksaußen
Beim SCRA seit: 01.07.2019